Diabetes Therapie Insulinpumpe

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Therapie Insulinpumpe

Eine Insulinpumpe ist ein kleines Gerät, das außerhalb des Körpers – oft am Gürtel – getragen wird. Über einen dünnen, flexiblen Kunststoffschlauch, der mit einer Kunststoff- oder Stahlkanüle verbunden ist, gibt die Pumpe kontinuierlich Insulin in das Unterhautfettgewebe ab. Anlage des sogenannten Infusionssets und die Bedienung der Pumpe erfolgen einfach durch den Patienten. Eine Insulinpumpe ahmt durch die kontinuierliche, variable Insulinabgabe die normale Funktion der Bauchspeicheldrüse nach. Wegen der kontinuierlichen Abgabe des Insulins wie bei einer Infusion, bezeichnet man die Pumpentherapie auch als CSII (= kontinuierliche subkutane Insulin Infusion).

Die Insulinpumpe MiniMed® 640G bietet dem Patienten durch die integrierte CGM-Funktion zusätzlich jederzeit einen Überblick über den Verlauf der eigenen Glukosewerte sowie einen erweiterten Schutz vor  Hypoglykämien durch die SmartGuard®-Technologie. Diese stoppt automatisch die Insulinzufuhr, wenn sich der Glukosewert einem niedrigen Grenzwert nähert und startet diese auch wieder, wenn der Anwender sich in einem sicheren Glukosebereich befindet.

640G Body

Bessere Diabeteskontrolle als mit Injektionstherapie

Insulin wird im Körper aus zwei Gründen benötigt:

  • für die Aufrechterhaltung der normalen Körperfunktionen ohne Nahrungsaufnahme wird eine Basismenge Insulin (Basalbedarf) benötigt. 
  • vor einer Mahlzeit wird zur Verwertung der aufgenommenen Nährstoffe einen Insulinstoß (Bolus) benötigt.

Bei Menschen ohne Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse dieses Insulin. Menschen mit Diabetes  müssen Insulin jedoch in möglichst gleicher Weise zuführen, in der eine Bauchspeicheldrüse dieses  produziert und an den Körper abgibt. Der Insulingrundbedarf eines Menschen ist tageszeitabhängig sehr unterschiedlich, zum Beispiel ist der Insulingrundbedarf in den Morgenstunden sehr hoch, gegen Mittag dagegen sinkt dieser und am Abend ist er wieder erhöht.

Bei einer intensivierten Insulintherapie (ICT, FIT oder auch Basis-Bolus-Konzept) ist durch das Wirkprofil der lang wirkenden Insuline (Basalinsulin) zu bestimmten Zeiten häufig zu viel oder zu wenig Basalinsulin vorhanden. Dies kann zu Hypo- oder Hyperglykämien führen. 

Die Insulinpumpentherapie hingegen nutzt ausschließlich schnell wirkendes Insulin, dessen Absorption im Körper besser vorhersagbar ist – Schwankungen in der Insulinabsorption liegen unter 3 %1. Bei einem langwirksamen Basalinsulin liegen die Absorptionsschwankungen deutlich höher, im zweistelligen Bereich2

Tägliche Insulin-Injektionen stellen ein Therapiekonzept dar, das wenig Rücksicht auf die persönlichen Bedürfnisse Ihres Patienten nehmen kann. Mit einer Insulinpumpe kann der Nutzer das Insulinangebot weitgehend an den  persönlichen Bedarf  des Körpers anpassen.

Die CSII lässt sich folgendermaßen charakterisieren:

  • Die basale Insulinversorgung erfolgt ausschließlich durch kurzwirksames Insulin, welches eine voraussehbare Insulinresorption garantiert. Durch die feine Dosierung – kleinste Schrittgröße 0,0025 I.E. lässt sich Basalrate an die individuellen Verhältnisse des Patienten anpassen.
  • Durch die Funktion der temporären Basalratenänderung kann auf einen kurzzeitig veränderten Insulinbedarf mittels Anheben oder Absenken der Basalrate reagiert werden (z.B. bei fiebrigen Erkrankungen).
  • Der Bolus wird per Knopfdruck abgerufen. Dabei stehen verschiedenen Bolusoptionen zur Verfügung. Neben der sofortigen, „schnellen“ Abgabe des Bolus (normaler Bolus) lässt sich dieser auch verzögert über eine bestimmte Zeit (verlängerter Bolus) oder auch in Kombination mit dem normalen Bolus abgeben (Kombinationsbolus). Das ermöglicht die bedarfsgerechte Abgabe des Insulins bei Mahlzeiten mit unterschiedlichem glykämischen Index 3.

Folgende Vorteile hat Ihr Patient mit einer Insulinpumpe gegenüber einer intensivierten Insulintherapie zum Beispiel mit einem Pen:

  • Meist eine bessere Blutzuckereinstellung im Vergleich zur ICT (laut Metaanalysen eine Senkung des HbA1c-Wertes um mehr als 0,6% 4) mit deutlich geringeren Blutzuckerschwankungen 5,6.
  • Weniger Hypoglykämien (laut Metaanalysen eine Verringerung der Rate an um mehr als 75% bei gleichzeitiger Verbesserung des HbA1c-Wertes 7).
  • Geringeres Risiko für diabetische Folgeerkrankungen unter der CSII, selbst vergleichbarem HbA1c-Wert. Nach dem schwedischen Register (enthält die Daten von > 95% aller Patienten mit Typ-1-Diabetes) ereigen sich unter der CSII 29% weniger Todesfälle, 44% weniger verhängnisvolle Herzerkrankungen und 11% weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle 8.
  • Weniger Zwänge durch die Therapie als unter der ICT. Ohne negativen Einfluss auf die Blutzuckerwerte sind flexible Tagesaufgaben in Beruf und Freizeit gut beherrschbar, ebenso wie sportliche Aktivitäten, ist ein langes Ausschlafen möglich und lassen sich Mahlzeiten verschieben bzw. können ganz ausgelassen werden.

Informationen zur Insulinpumpe MiniMed 640G finden Sie hier.

Indikationen für eine Insulinpumpentherapie

Für die Genehmigung müssen bestimmte Voraussetzungen (Indikationen) vorliegen:

  • wenn trotz intensivierter konventioneller Insulintherapie (ICT) bei mehreren Insulininjektionen täglich keine stabile Blutzuckereinstellung mit Werten im Zielbereich erreicht werden kann
  • bei schweren, insbesondere nächtlichen Hypoglykämien
  • bei Dawn-Phänomen (Anstieg des Blutzuckers in den frühen Morgenstunden)
  • bei Diabetikerinnen mit aktuellem Kinderwunsch und während einer Schwangerschaft, insbesondere bei schwierig einzustellendem  Stoffwechsel
  • wenn im Einzelfall bei ausgeprägten Symptomen durch Folgekomplikationen eine gute Blutzuckereinstellung erforderlich ist

Mehr Informationen zur Kostenerstattung einer Insulinpumpe finden Sie hier.


Quellen

1

Lauritzen T, Pramming S, Deckert T, Binder C. Pharmacokinetics of continuous subcutaneous insulin infusion. Diabetologia. 1983;24(5):326-329.

2

Bode BW, et al. Diabetes Research and Clin Practice. 1999; 46:183-190.

3

Chase HP, Saib SZ, MacKenzie T et. al.: Post-prandial glucose excursions following four methods of bolus insulin administration in subjects with Type 1 diabetes. Diabetic Medicine 2002; 19: 317 – 321.

4

Jeitler K, Horvath K, Berghold A et al.: Continuous subcutaneous insulin infusion versus multiple daily insulin injections in patients with diabetes mellitus: systematic review and meta-analysis. Diabetologia 2008; 51: 941-951.

5

Pickup J, Mattock M, Kerry S: Glycaemic control with continuous subcutaneous insulin infusion compared with intensive insulin injections in patients with type 1 diabetes: meta-analysis of randomized controlled trials. BMJ 2002; 324:1 – 6.

6

Behre  A, Ehren M, Reinsch B  et al.: Erfahrungen mit kontinuierlichem Glukosemonitoring unter Klinikbedingungen. Diabetes und Stoffwechsel. 10 Suppl.1 (2001):126.

7

Pickup J, Sutten AJ Severe hypoglycaemia and glycaemic control in Type 1 diabetes: meta-analysis of multiple daily insulin injections compared with continuous subcutaneous insulin infusion. Diabetic Medicine 2008; 25:765 – 774.

8

Steineck I, Cederholm J, Eliasson B et. al.: Insulin pump therapy, multiple daily injections, and cardiovascular mortality in 18 168 people with type 1 diabetes: observational study. BMJ 2015;350:h3234.