Medizinische Fachkreise

Implantation: Technik und Vorgehensweise

IMPLANTATIONSVERFAHREN

Die Implantation eines Beckenbodenschrittmachers erfolgt in zwei separaten Eingriffen. Zuerst werden nur Elektroden implantiert, die an einen externen Neurostimulator angeschlossen werden. Während einer Testphase wird die Wirksamkeit des Systems durch den Patienten getestet. Der Beckenbodenschrittmacher gibt über Elektroden sanfte elektrische Impulse in der Nähe der Sakralnerven ab, um die neuronale Aktivität zwischen Blase bzw. Darm und Gehirn zu normalisieren. Erst nach einer erfolgreichen Testphase wird der InterStim Schrittmacher dauerhaft implantiert. Die Stimulationsparameter können nach der Systemimplantation vom Arzt - und in einem begrenzten Rahmen auch vom Patienten - nicht-invasiv an die Therapiebedürfnisse des Patienten angespasst werden. 

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Elektroden-Implantation für die Testphase

Testverfahren

Für die Testphase stehen zwei Verfahren zur Verfügung: 

  • Basis-Evaluierung mit Testelektroden (perkutane Nervenevaluation, PNE-Test)
  • erweiterte Evaluierung mit den Tined Lead Ankerelektroden (2-Stage-Test)

Vorteile der unterschiedlichen Verfahren:

Basis-Evaluierung (PNE-Test) erweiterte Evaluierung (mit Tined Lead)

geringe Kosten

zuverlässige Ergebnisse

(weniger falsch-negative Testungen durch Anker und mehr Programmiermöglichkeiten mit vier Polen)

einfache Entfernung ohne zweiten Eingriff

hohe Erfolgswahrscheinlichkeit 

(ca. 80 %1,2,3 vs. ca. 50 %1 bei PNE-Testung)

weniger invasiv 

(als die erweiterte Testung)

reproduzierbare Ergebnisse mit dauerhaftem Implantat im Vergleich zur Testphase

(Elektrode bleibt am selben Platz liegen) 

längere Testphasen möglich

kürzere OP-Dauer beim zweiten Eingriff

(nur Vervollständigung des Systems vs. Implantation des Gesamtsystems nach PNE-Test)

Aufgrund der überwiegenden Vorteile der erweiterten Testung mit Tined Lead Ankerelektroden hat sich diese in Deutschland zur am häufigsten eingesetzten Methode und ersten Wahl entwickelt. 

Wird eine Basis-Evaluierung durchgeführt, deren Ergebnis nicht eindeutig ist oder vermutet wird, dass es aufgrund einer Positionsveränderung der Elektrode zu einer falsch-negativen Testung kam, wird in der Regel ein weiterer Test mit Tined Lead Elektroden durchgeführt. 

Für weitere Informationen zum Ablauf der Implantation während des Krankenhausaufenthaltes empfehlen wir die Publikation "Behandlungspfad für die Sakralnervenstimulation bei Stuhlinkontinenz".4


1

Borawski KM, Foster RT, Webster GD, Amundsen CL. Predicting implantation with a neuromodulator using two different test stimulation techniques: A prospective randomized study in urge incontinent women. Neurourol Urodyn. 2007;26(1):14-8.

2

Noblett K, Siegel S, Mangel J, Griebling TL, Sutherland SE, Bird ET, Comiter C, Culkin D, Bennett J, Zylstra S, Kan F, Berg KC. Results of a prospective, multicenter study evaluating quality of life, safety, and efficacy of sacral neuromodulation at twelve months in subjects with symptoms of overactive bladder. Neurourol Urodyn. 2016 Feb;35(2):246-51. doi: 10.1002/nau.22707. Epub 2014 Dec 24.

3

Amundsen CL, Richter HE, Menefee SA, Komesu YM, Arya LA, Gregory WT, Myers DL, Zyczynski HM, Vasavada S, Nolen TL, Wallace D, Meikle SF. OnabotulinumtoxinA vs Sacral Neuromodulation on Refractory Urgency Urinary Incontinence in Women: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2016 Oct 4;316(13):1366-1374. doi: 10.1001/jama.2016.14617.

4

Kahlke V, et al. Behandlungspfad für die Sakralnervenstimulation bei Stuhlinkontinenz. Coloproctology 36(6), pp 478-484, Dez. 2014

Vorgehen bei der Implantation

Die Implantation findet in der Regel unter Narkose statt. Setzen Sie dabei keine Muskelrelaxantien ein! Andernfalls ist die motorische Reaktion auf die Stimulation nicht mehr richtig ausgeprägt. 

Die folgenden Animationen zeigen das Vorgehen bei beiden Testverfahren (in englischer Sprache). Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Schritte finden Sie in den jeweiligen Implantationsanleitungen im Bereich Handbücher und technische Informationen.

Implantation von Testelektroden (PNE-Test)

Dünne Drahtelektroden werden für die Testphase implantiert.

Implantation von Tined Lead Ankerelektroden für die Testphase

Für die Testphase werden häufig bereits die finalen Ankerelektroden verwendet.

Testphase

Implantation nach der Testphase

Explantation nach der Testphase

Programmierung

Nachsorge

Implantationsvideo

WEITERE INFORMATIONEN

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den entsprechenden Handbüchern.

Informationen zu Kontraindikationen, Warnhinweisen, Vorsichtsmaßnahmen, unerwünschten Ereignissen, Individualisierung der Behandlung, Patientenauswahl, Verwendung bei bestimmten Patientengruppen, Resterilisierung und Entsorgung der Komponenten entnehmen Sie bitte dem Handbuch "Informationen für verordnende Ärzte."