Value-Based Healthcare Als Zukunftsstrategie

Lösungen für bezahlbare und angemessene medizinische Versorgung

Value-Based Healthcare (VBHC) als Zukunftsstrategie

Obwohl es weltweit große Unterschiede in den Gesundheitssystemen gibt, sehen sich alle Länder mit dem Problem der kontinuierlich steigenden Kosten für die Gesundheitsversorgung konfrontiert. In ihren unterschiedlichen Ausprägungen und Entwicklungsstadien benötigen alle Systeme daher vor allem eines für die Zukunft: bezahlbare und angemessene medizinische Versorgung für die Bevölkerung ihres Landes. Lösungen bringen soll das Value-Based Healthcare (VBHC) Konzept.


Im Jahr 2013 lagen die Gesamtausgaben für die globale Gesundheitsversorgung bei 7,3 Billionen US-Dollar bzw. 11 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. In den nächsten Jahren wird diese Zahl schätzungsweise jährlich um fünf Prozent steigen.

Auch in Deutschland steigen die Kosten für Gesundheit jedes Jahr kontinuierlich: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland beliefen sich im Jahr 2015 auf 344,2 Milliarden Euro oder 4.213 Euro je Einwohner. Dies entspricht einem Anteil von 11,3 Prozent des deutschen Bruttoinlandproduktes. Mehr als jeder neunte Euro wurde somit für Gesundheit ausgegeben. Im Vergleich zu 2014 stiegen die Gesundheitsausgaben um 15 Milliarden Euro (4,5 Prozent) und nahmen das vierte Jahr in Folge stärker zu als das Bruttoinlandsprodukt.1


Kostensenkung und bessere Behandlung durch den nutzenorientierten Ansatz VBHC

Um den steigenden Kosten entgegenzuwirken, arbeiten Regierungen, Gesundheitssysteme, Krankenkassen und andere Organisationen an neuen Ansätzen zur Senkung der Gesundheitskosten. Ein erfolgversprechender Ansatz, der weltweit die Basis für eine Reform der Gesundheitssysteme bilden soll, ist der „Value-Based Healthcare (VBHC)“ Ansatz, der seit 2006 immer mehr an Bedeutung gewinnt.2 Im Deutschen wird er oft mit „wertorientierte Gesundheitsversorgung“ oder „nutzenorientierte Gesundheitsversorgung“ übersetzt. Dabei stehen Mehrwert und Nutzen einer Therapie im Mittelpunkt, das heißt, die optimale und patientengerechte Versorgung. Hinter diesem Ansatz verbirgt sich die ökonomische Idee, das Endergebnis einer ganzen Behandlungsreihe zu bewerten und zu vergüten und nicht, wie bisher oft, die reine Anzahl an verschriebenen Medikamenten oder Arzt- und Krankenhausbesuchen. Das nachhaltige, gesundheitliche Endergebnis für den Patienten ist entscheidend. Eine nutzenorientierte Gesundheitsversorgung bedeutet, nach dem zu fragen, was tatsächlich benötigt wird und ob es bei demjenigen, der es braucht, auch tatsächlich wirkt.3

Es geht es also nicht um die kurzfristige Kostenersparnis durch rationierte Leistungen, sondern um die langfristige Kostensenkung und Nachhaltigkeit beim Patienten durch optimierte Leistungen und Fokus auf dem bestmöglichen Behandlungsergebnis.4,5 Der Patientennutzen wird dabei zu den entstehenden Gesamtkosten in Relation gesetzt, um anhand des Ergebnisses die Effizienz und den Wert der Behandlung zu beurteilen.

Medtronic definiert VBHC für sich selbst und die Entwicklung seiner Therapien so: Die Idee von VHBC soll helfen Produkte, Services und integrierte Lösungen auf den Markt zu bringen, die durch eine verbesserte Qualität der Behandlung und/oder reduzierte Zusatzkosten den Patientennutzen pro ausgegebem Dollar verbessern.6


Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung des nutzenorientierten Ansatzes

Damit ein nutzenorientiertes Konzept überhaupt implementiert werden kann, hat Medtronic die notwendigen Voraussetzungen dafür überprüfen lassen. Im Rahmen einer Studie mit der "Economist Intelligence Unit" (EIU) wurde der Stand von VBHC in weltweit 25 Ländern für das Jahr 2014/15 untersucht. Dabei wurden vier notwendige Maßnahmenkategorien ermittelt, die ein Gesundheitssystem benötigt, um erfolgreich VBHC einzuführen. In der Studie des EIU wurde die Existenz von Indikatoren in folgenden Kategorien bewertet:7

  • Gesetzgebung und Institutionen, die ein Gesundheitssystem überhaupt erst in die Lage versetzen, nutzenorientierte Gesundheitsversorgung zu messen und umzusetzen.
  • Bewertungsverfahren für die Ergebnisse und Kosten einer Therapie.
  • integrierte und Patienten-fokussierte Behandlung, um effizient und koordiniert zu arbeiten.
  • Vergütungssysteme, die den richtigen Anreiz setzen und nicht nur Einzeltherapien abrechnen, sondern Bündelungen. 

Die europäischen Länder haben in dieser Studie am besten abgeschnitten. Auf den Spitzenplätzen behaupteten sich Schweden und Großbritannien, die sowohl integrierte Behandlungskonzepte als auch eine gebündelte Abrechnung etabliert haben.8


Koordinierte Therapie und Bündelung von Leistungen

Koordinierte Therapien zur nachhaltigen Genesung sind für Patienten vorteilhaft und für das System letztendlich günstiger, als viele einzelne Therapien zu beginnen und abzurechnen. Gleichzeitig muss auch der volkswirtschaftliche Schaden durch das Fehlen von mehrfach erkrankten Arbeitnehmern oder den dauerhaften Ausfall von chronisch kranken Patienten mit einkalkuliert werden.

Während für VBHC in einigen Ländern noch die Basisarbeit mit dem Aufbau von Institutionen und gesetzlichen Rahmenbedingungen geleistet werden muss, sind diese in den meisten europäischen Ländern – so auch in Deutschland – bereits vorhanden. In Deutschland konzentriert man sich daher primär auf die Verbesserung und Messung der Qualität von Versorgungsleistungen, integrierte Behandlungsansätze sowie besseres Patientenmanagement zur Kostenminimierung9. Auch hier kann Medtronic mit Daten zu Prozessabläufen und zum operativen Management von medizinischen Einrichtungen unterstützen. Lesen Sie hier, welche Ansätze das deutsche Gesundheitssystem für Value-Based Healthcare bereits hat und über welche Einrichtungen es verfügt.


Mehrkosten durch unkoordinierte Behandlung

Schätzungsweise verursachen unkoordinierte Behandlungen - besonders bei chronisch kranken Patienten - jährlich 20 bis 40 Prozent Mehrkosten.10 Chronisch kranke Patienten konsultieren häufiger den Arzt oder verschiedene Abteilungen eines Krankenhauses. Wenn dabei kein ausreichender Informationsaustausch stattfindet, werden beispielsweise mehrfach gleiche Untersuchungen oder Röntgenbilder angefordert. Gleichzeitig arbeiten Ärzte und Krankenschwestern nur mit einem Bruchteil der Informationen über den tatsächlichen Gesundheitszustand des Patienten. Diagnosen und Behandlungen, die aufgrund eines solchen Bildausschnitts gestellt werden, sind oft nur Stückwerk und nicht so nachhaltig wie integrierte Therapieansätze. Daher sehen Experten die lang geplante elektronische Gesundheitskarte für Deutschland als einen Teil der Lösung.12 Österreich erprobt neben seiner bereits 2005 eingeführten E-Card13 seit 2016 eine elektronische Gesundheitsakte unter dem Namen "ELGA". Man erhofft sich dort durch die Vermeidung von unnützen Mehrfach-Diagnosen Einsparungen in Höhe von 130 Millionen Euro pro Jahr.

In Deutschland arbeitet man bereits ebenfalls mit der Bündelung von Leistungen: Im Jahr 2004 wurden die sogenannten Fallpauschalen (DRGs) eingeführt14, die eine Diagnose und einen Leistungskomplex, wie etwa eine Bandscheiben-Operation, zusammenvergüten. Bei der Berechnung der jeweiligen Fallpauschale spielen spezifische Behandlungsschritte, aber auch die Verweildauer im Krankenhaus, Alter und Geschlecht eine Rolle. Trotz dieser bereits vorhandenen Kostenbündelung ist jedoch in Deutschland die Bewertung der Qualität des Endergebnisses noch kaum vorhanden.15 Hier wäre eine systematische Datenerfassung wichtig, etwa durch Patientenfragebögen, um die Behandlungsqualität langfristig verbessern und wirtschaftlich optimieren zu können. Wo dies bereits in Deutschland praktiziert wird und welche Erfolge damit erreicht wurden, lesen Sie hier.


Mit Integrated Health Solutions (IHS) Prozesse optimieren, Behandlungen verbessern und Kosten senken

Medtronic arbeitet weltweit mit Gesundheitsakteuren zusammen, um durch seine Technologien, Therapien und Dateneinblicke die operative Handlungseffizienz im Gesundheitswesen voranzutreiben sowie die Leistungserbringung durch optimiertes Versorgungsmanagement zu verbessern. Die detaillierte Kenntnis über Krankheitsbilder und optimale Behandlungsabläufe hilft Krankenhäusern, ihre Prozesse zu verbessern. 

Der Geschäftsbereich Integrated Health Solutions (IHS) bei Medtronic erarbeitet auf Systemebene mit Krankenhäusern innovative Ansätze, um Kosten zu reduzieren und gleichzeitig Risiken zu senken. So baut Medtronic in Köln-Merheim in Kooperation mit den Kliniken der Stadt Köln einen neuen Kardiologie Trakt mit vier Herzkatheterlaboren nach neuestem medizinischem Standard. Das bestehende Gebäude wird baulich-funktionell so umstrukturiert, dass es weniger Laufwege gibt, Patientenstationen besser und schneller erreichbar sind und die Versorgung effizienter wird. Ein neues kardiovaskuläres IT-Informationssystem (CVIS) sorgt für optimales Datenmanagement. So können mehr Leistungen angeboten werden. Der neue Kardiologietrakt soll Ende 2018 nutzbar sein.

Telemedizinische Lösungen mit Medtronic Diagnostic Services

Auch telemedizinische Lösungen von Medtronic helfen weltweit, in der ambulanten Versorgung Behandlungen zu verbessern, Risiken frühzeitig zu erkennen und so präventiv zu handeln. So können hohe Kosten durch Krankenhauseinweisungen vermieden werden. Dies ist im Sinne der Kostenträger und auch der Patienten, die sich oft in ihren eigenen vier Wänden wohler, nun aber auch sicherer und besser betreut fühlen.


Value-Based Healthcare braucht Partnerschaften

Medtronic ist fest davon überzeugt, dass es als Unternehmen bei der Weiterentwicklung von VBHC eine große Rolle spielen und einen messbaren Mehrwert liefern kann. Medtronic wird stetig sein Ziel verfolgen, leistungsfähige neue Technologien und Services zu entwickeln, die bei reduzierten Kosten bessere Ergebnisse für Patienten erzielen. Jedoch kann keine Einzelorganisation allein ein Gesundheitssystem in diese Richtung ausrichten. Nur durch Partnerschaften und Zusammenarbeit können die Vorteile einer nutzenorientierten Gesundheitsversorgung realisiert werden. 

Deshalb ist das Engagement von Medtronic und seine nutzenorientierte und partnerschaftliche Denkweise zur Etablierung von VBHC ein Beispiel für die Umsetzung der Unternehmensphilosophie von Medtronic: Further, Together


Quellen und Literatur

2

The Economist, EIU, Value-Based healthcare: A global assessment, 2016

5

Michael E. Porter, Clemens Guth; Chancen für das deutsche Gesundheitssystem: Von Partikularinteressen zu mehr Patientennutzen, 2012, S. 3

6

Evolving Healthcare, Further, together, UC201603332 EN © 2015 Medtronic. Published October 2015.

7

The Economist, EIU, Value-based healthcare. A global assessment, 2016, Seite 2.

8

The Economist, EIU, Value-based healthcare. A global assessment, 2016.

9

Michael E. Porter, Clemens Guth; Chancen für das deutsche Gesundheitssystem: Von Partikularinteressen zu mehr Patientennutzen, 2012, S. 4.

10

The Economist, EIU, Policy Paper II, Systems, human resources and payments, 2016.

15

The Economist, EIU, Value-Based Healthcare in Germany, 2015.