Mädchen Kopfhörer

Shaver-System

Therapie bei Ohrinfektionen

Zu den operativen Behandlungsmöglichkeiten einer Ohrinfektion zählt die Entfernung von geschwollenen oder entzündeten Polypen (Adenotomie), in denen sich Bakterien vermehren können und die den natürlichen Abfluss über den Rachen blockieren. Wenn bei Ihrem Kind die Polypen vergrößert sind und Ohrinfektionen auslösen, wird Ihr Arzt u. a. eine Polypenentfernung mit einem Shaver-System (gerätegestützte Adenotomie) empfehlen.

Was sind Polypen?

Normales Ohr.

Normales Ohr.

Die Polypen sind eine Gewebemasse ganz oben im Rachen, hinter der Nase. Ärzte vermuten, dass die Polypen Erreger abfangen, bevor sie weiter in den Körper gelangen können.

Infiziertes Mittelohr

Infiziertes Mittelohr

Die Polypen verursachen jedoch gelegentlich Ohrinfektionen, wenn die abgefangenen Erreger die Eustachische Röhre entlang zum Mittelohr wandern. Manchmal schwellen die Polypen durch die eingeschlossenen Erreger auch an und blockieren die Eustachische Röhre, wodurch sich Flüssigkeit und Bakterien im Mittelohr ansammeln.

Was ist ein Shaver-System?

Das Herzstück eines Shaver-Systems ist der sogenannte Shaver. In einem elektrisch betriebenen Handstück steckt das Shaver Blade. Es besitzt einen winzigen rotierenden Kopf zur Entfernung der vergrößerten Polypen.

Die gebogene Spitze des Shavers erleichtert die genaue Positionierung des Instruments für die Entfernung der Polypen. Da dieses Gerät präziser arbeitet, ist die Verletzungsgefahr für das umliegende Gewebe geringer.

Shaver-System: Nutzen der Therapie

Der Nutzen der Shaver gestützten Adenotomie hängt vom Alter und dem Befund Ihres Kindes ab. Ihr Kinderarzt oder HNO-Arzt wird Ihre Fragen beantworten.

Nutzen

Im Vergleich zu anderen Verfahren zur Polypenentfernung kann eine Shaver gestützte Adenotomie die Gefahr der erneuten Ohrinfektion senken.1 Mögliche Vorteile des Verfahrens:

  • Präzisere Entfernung von Gewebe – Bei anderen Adenotomie-Verfahren lässt sich die genaue Menge des entfernten Gewebes eventuell schwer steuern. Wenn man zu viel entfernt, kann das umliegende Gewebe geschädigt werden und Komplikationen auftreten. Wenn man zu wenig entfernt, können die Polypen nachwachsen. Der motorgetriebene Shaver ermöglicht eine bessere Kontrolle.
  • Kürzerer Eingriff mit geringerem Blutverlust – Bei allen Polypenoperationen blutet es etwas. Mit dem Shaver blutet es jedoch während der Operation etwas weniger. Der Operateur kann mit dem Shaver außerdem schneller arbeiten, was sich vor allem bei größeren Polypen auswirkt.
  • Bessere Sicht und besserer Zugang – Mit dem Shaver lässt sich das Gewebe schnell, sicher und genau entfernen, weil der Operateur die Polypen während des Eingriffs direkt sieht. Die Form des Shavers erleichtert den Zugang zu den schwer zugänglichen Polypen.

Risiken

Aufgrund der besseren Steuerbarkeit und Übersicht über die Anatomie sind die Risiken der Shaver gestützten Adenotomie geringer als bei anderen Verfahren. Komplikationen sind selten und im Allgemeinen minderschwer.

Die häufigste Komplikation ist eine Blutung, die jedoch sehr selten auftritt. Im Allgemeinen kommt es nach der Operation zu einer leichten und oberflächlichen Infektion des Operationsgebiets. Daher hat man etwa eine Woche lang einen schlechten Atemgeruch. Schwerwiegende Infektionen aber sind selten.

Die Entscheidung für eine Shaver gestützte Adenotomie

Ein HNO-Arzt diagnostiziert und behandelt Erkrankungen von Hals, Nase und Ohren. Er führt auch Adenotomien durch und bespricht mit Ihnen, wie die Polypen Ihres Kindes am besten zu entfernen sind.

Die Polypen können mit verschiedenen Verfahren entfernt werden. Welche der folgenden Methoden angewandt wird, hängt vom Befund bei Ihrem Kind und der vom Arzt bevorzugten Methode ab:

  • Shaver Technik – Dieses Verfahren wurde in den frühen 1990er Jahren entwickelt und hat gegenüber anderen Methoden (Kürette, Saugkoagulation) mehrere Vorteile. Bei ihm kommt ein Microdebrider zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um ein motorgetriebenes Instrument mit einem winzigen rotierenden Kopf.
    Mit dem Microdebrider kann der Operateur Gewebe präziser entfernen. Daher dauern die Eingriffe im Allgemeinen nicht lange, sind effektiver und es blutet weniger. Außerdem sieht der Operateur während der Operation die Polypen besser, sodass die Gefahr geringer ist, versehentlich zu viel Gewebe zu entfernen oder umliegendes Gewebe zu verletzen.
  • Kürette – Meistens wird die Adenotomie mit einem chirurgischen Instrument durchgeführt, das wie die Miniatur einer Gartenhacke aussieht und in der Mitte der Klinge eine Aussparung aufweist. Die Innenseite der Kürette ist sehr scharf. Der Operateur führt einen kleinen Spiegel hoch in den Rachen hinter die Nase ein, um die Polypen darzustellen. Dann positioniert er die Kürette, entfernt den Spiegel und "kratzt" die Polypen aus dem hinteren Rachenraum.
    Da der Operateur bei dieser Methode die Polypen nicht sieht, besteht die Gefahr, dass umliegendes gesundes Gewebe verletzt werden kann.
  • Saugkoagulation – Bei diesem Verfahren kommt ein Metallinstrument zu Einsatz, welches das Polypengewebe durch Hitze entfernt bzw. schrumpft. Das Verfahren ist im Allgemeinen effektiv und sicher. Das Instrument ist biegsam und kann der Form von Mund, Nase und Rachen angepasst werden.
    Dieses Verfahren erleichtert den Zugang zu den Polypen und ihre Darstellung, wodurch der Blutverlust bei der Operation reduziert werden kann. Bei der Saugkoagulation wird das Polypengewebe verbrannt. Diese Methode ist nicht sehr präzise, weil man während der Operation schwer sagen kann, ob das Gewebe vollständig entfernt wurde.

1

April M, Ward R, Bent J. Power-Assisted Adenoidectomy in the Treatment of Chronic Otitis Media with Effusion. Posterpräsentation bei der American Society of Pediatric Otolaryngology, 4. Mai 2003, Nashville, TN.


Die Informationen auf dieser Seite ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt. Sprechen Sie immer auch mit Ihrem Arzt, wenn es um Diagnose und Behandlung geht.