Herzblut

Viel Herzblut für die Medizintechnik

05.12.2014
Eva-Maria Ernst

Ein Lichtbad gefällig? Oder eine historische Zahnarztpraxis mit einem Bohrer, der noch mit Fußpedal betrieben wurde und entsprechend wenig Umdrehungen hatte (eine sehr angenehme Vorstellung…)? Oder doch lieber ein Amputationsbesteck von 1840?

Das sind nur einige der Highlights der Ausstellung „Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik“, die von November 2014 bis Juni 2015 im Technoseum (Landesmuseum für Technik und Arbeit) Mannheim zu sehen ist. Auch Medtronic hat das Technoseum mit Exponaten unterstützt – eines meiner Projekte in diesem Jahr. Deshalb bin ich besonders gespannt, als ich im Dezember 2014 nach Mannheim fahre, um mir „Herzblut“ anzusehen.


Im ersten Raum der "Herzblut" Ausstellung. Über die Besucher wacht der "Gläserne Mensch" © TECHNOSEUM

Im Foyer des Technoseums werde ich von Dr. Alexander Sigelen und Birte Launert in Empfang genommen. Sie werden mich durch die Ausstellung führen, und das nicht nur informativ, sondern sehr unterhaltsam, denn die beiden wissen auch die eine oder andere Anekdote zu erzählen, in deren Genuss ein „normaler“ Besucher eher nicht kommt. Zum Beispiel, dass aus dem 19. Jahrhundert stammende „Musterköfferchen“ mit Glasaugen nicht nur bei Museen, sondern auch Privatsammlern sehr beliebt sind.

„Herzblut“ zeigt, wie sich die Medizintechnik durch naturwissenschaftliche Entdeckungen, technischen Fortschritt, aber auch durch gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen (die sich auf das Bild vom menschlichen Körper ausgewirkt haben) entwickelt hat. Der Name der Ausstellung betont dabei das Herz als Zentrum und Motor des Körpers. Der Besucher lernt in sechs Räumen Orte der Medizintechnik kennen und erlebt, wie vor 50, 80, 100 Jahren oder noch früher Patienten behandelt wurden: in einer Hausarztpraxis, einem Röntgenraum, einem Labor, einem OP, einer Zahnarztpraxis und einer Prothesenwerkstatt. Ergänzt werden die Ausflüge in die Geschichte durch Medizintechnik der Gegenwart und Zukunft.


"Lichtbad" - Lichttherapie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. © TECHNOSEUM

Außer einer schon erwähnten Auswahl an Glasaugen fasziniert mich als erstes das „Lichtbad“, ein mit Glühbirnen ausgestatteter, ziemlich kurioser Kasten, in dem sich der Patient einer Lichttherapie unterziehen konnte. Dass Licht heilen kann, war also schon Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt, auch wenn das mit dem Lichtbad vielleicht noch nicht so ganz funktioniert hat.

Weiter geht es durch den Röntgenraum, in dem ich unter anderem ein Röntgengerät für den Thorax (Brustkorb) von 1920 bewundere, bis in den Operationssaal. Hier erfahre ich nicht nur Interessantes über OP-Techniken und Herz-Lungen-Maschinen, sondern auch über Hygiene: im 19. Jahrhundert operierten Ärzte noch im Straßenanzug, und die Skalpelle sahen zwar mit hölzernen, verzierten Griffen toll aus, waren aber ein echter Bazillenherd. Und dann kann ich sie auch schon sehen: die Zahnarztpraxis von ca. 1920, edel in Leder und poliertem Metall gehalten. Fast könnte es sich um ein schickes Wohnzimmer handeln, wären da nicht die Gerätschaften: Damals behandelte der Zahnarzt noch mit einem Tretbohrer, der sich nur langsam drehte, damit der Patient auch garantiert jeden Moment der Behandlung auskosten konnte.


Sieht fast gemütlich aus: die historische Zahnarztpraxis - eines der Highlights der Ausstellung © TECHNOSEUM

Im „Prothesen“-Raum stoße ich dann auf die Medtronic Produkte, die sich als „technische Organe“ in die Ausstellung einfügen. Ich sehe den ersten externen batteriebetriebenen Herzschrittmacher, den unser Firmengründer Earl-Bakken in den 1950er Jahren entwickelt hat, aber auch einige unserer aktuellen Innovationen, einen “Blasenschrittmacher” zum Beispiel oder ein System für die Tiefe Hirnstimulation.


Blasenschrittmacher und System für die Tiefe Hirnstimulation © TECHNOSEUM

Nach einem Besuch im virtuellen Wartezimmer einer modernen Arztpraxis (hier kann zu Fragen der Gesundheitsversorgung in Deutschland diskutiert werden) ist die Führung viel zu schnell zu Ende. Zum Trost zeigen mir Herr Sigelen und Frau Launert noch einige Highlights der Dauerausstellung des Technoseums, zum Beispiel eine Dampflok mit zwei sorgfältig restaurierten Wagons aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie eine riesige Dampfmaschine. Und wir essen in einer historischen Arbeiterkneipe zu Mittag. Danach verabschiede ich mich von meinen Gastgebern.

Wenn Ihr in nächster Zeit nach Mannheim kommt, solltet Ihr einen Besuch im Technoseum auf keinen Fall verpassen. Informationen zur Ausstellung „Herzblut“ und zum Museum findet Ihr auf der Website des Technoseums.

Kleiner Nachtrag: Wie wir gerade erfahren haben, wurde das Technoseum mit dem “European Excellence Award” für herausragende Presse-Kampagnen ausgezeichnet – für eine “Goethe-Guerilla”-Kampagne. Herzlichen Glückwunsch! Mehr Informationen dazu gibt es hier.