Oliver in Tansania

Leben retten in Tansania

05.05.2018
Oliver

Tansania. Wer denkt da nicht eher an Safari und Sonnenuntergänge auf Sansibar als an angeborene Herzfehler und fehlende OP-Kapazitäten?

Im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, mich mit beiden Seiten dieses Landes auseinanderzusetzen: zuerst während eines Urlaubs mit den schönen Seiten, die man als Tourist kennenlernt – darum soll es aber heute nicht gehen. Dennoch habe ich während dieser Reise Tansania und seine Bewohner kennen und lieben gelernt, weshalb das folgende Erlebnis für mich ein ganz besonderes war – konnte ich doch zumindest am Rande mithelfen, dass einem kleinen Kind in Tansania eine dringend notwenige Herz-Operation ermöglich wurde. Aber der Reihe nach.

Pro Jahr werden in Tansania 1,5 Millionen Kinder geboren, davon etwa 15.000 mit angeborenem Herzfehler. Laut dem Jakaya Kikwete Cardiac Institute, der einzigen herzchirurgischen Klinik in Tansania, können davon lediglich 500 Kinder pro Jahr operiert werden. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2016 insgesamt 5.920 Eingriffe zur Korrektur angeborener Herzfehler registriert.

Aufgrund nicht ausreichender Infrastruktur und fehlender finanzieller Mittel ist man in Tansania meist auf ausländische Unterstützung angewiesen: sei es durch Fachpersonal oder Sachspenden. Eine solche Anfrage erreichte mich vor einigen Wochen durch einen deutschen Arzt, der im Rahmen eines Hilfsprojektes kurz vor der Abreise nach Tansania stand.

Im Rahmen einer solchen Reise werden die dringendsten Fälle in Kooperation mit den Ärzten vor Ort operiert, so dass diese auch seltene OP-Techniken erlernen und danach auch selbständig durchführen können.

Nun wurde für diese Hilfsmission kurzfristig ein Patient identifiziert, der an einem Truncus arteriosus communis litt. Bei diesem sehr seltenen angeborenen Herzfehler sind die Hauptschlagader und die Lungenschlagader nicht vollständig getrennt, was zu Bluthochdruck und einer Herzinsuffizienz führen kann. Um diesen Herzfehler zu beheben, ist unter anderem ein Ersatz der Pulmonalklappe notwendig. Hierbei wird die fehlgebildete Klappe des Patienten entfernt und durch eine biologische Prothese ersetzt.

Nun ist eine solche Operation mit allem Drum und Dran sehr teuer - und gerade bei solchen Hilfsprojekten sind die Mittel begrenzt. Es erreichte mich daher an einem Mittwoch Nachmittag im November, kurz vor Feierabend, die Anfrage, ob wir unsere biologische Herzklappen-Prothese Contegra für diesen Patienten durch eine Spende zur Verfügung stellen könnten. Allerdings war die Abreise des Arztes bereits für Freitag früh geplant. Es blieb also gerade mal ein Arbeitstag, um eine solche Spende durch unsere internen Prozesse genehmigen zu lassen. Und dann musste die Klappe auch noch aus dem Lager in den Niederlanden zum Arzt nach Hause geliefert werden, rechtzeitig vor Abflug.

Herzklappe Contegra

Biologische Herzkappen-Prothese Contegra

Ich habe jedoch das große Glück, bei Medtronic mit Menschen zusammenzuarbeiten, denen das Wohl der Patienten am Herzen liegt: Obwohl es bereits lange nach Feierabend war, wurde die Sache noch vom internen „Spendenkomittee“ geprüft und genehmigt.

Nachdem am folgenden Tag dann der notwendige Papierkram in Windeseile erledigt war, konnte ein Taxi aus den Niederlanden mit der wertvollen Fracht an Bord auf den Weg nach Deutschland geschickt werden. Dieses traf am Vorabend der Abreise rechtzeitig ein und der Arzt konnte die Klappe wie erhofft mit nach Tansania nehmen.

Ein paar Tage später erreichte uns die gute Nachricht: Die Operation sei perfekt gelaufen und die Ärzte in Tansania könnten diesen komplexen Eingriff künftig auch in Eigenregie durchführen!

Solche Erlebnisse zeigen mir, dass die Medtronic Mission nicht nur eine Worthülse ist, sondern von den Menschen hier aktiv gelebt wird. Ich bin sehr froh, mit Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten, die sich weit über ihr eigentliches Aufgabengebiet hinaus engagieren, um Patienten weltweit zu helfen – und es macht mich auch ein wenig stolz, Teil eines Unternehmens mit solch einer Kultur zu sein!

Der Autor

Oliver arbeitet seit 2009 bei Medtronic und ist als Produktmanager im Bereich Herzchirurgie unter anderem für Herzklappen verantwortlich.