Herztod

Kampf dem plötzlichen Herztod

16.09.2014
Holger Storcks

Im Gespräch mit Matthias Kollmar von Defibrillator Deutschland:

Der plötzliche Herztod ist in Deutschland laut Statistik mit mehr als 150.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen. Von einem plötzlichen Herztod spricht man, wenn ein unerwartetes, abruptes Herzversagen zu Bewusstseinsverlust und schließlich zum Tod führt. Die Ursache ist meist ein anhaltendes Kammerflimmern („Herzrasen“), welches einen Herzstillstand zur Folge haben kann. Durch den Einsatz eines externen oder eines implantierbaren Defibrillators kann das Flimmern erfolgreich und dauerhaft beendet und der plötzliche Herztod damit überlebt werden.

Pro Jahr erhalten circa 30.000 Patienten in Deutschland vorsorglich einen implantierbaren Defibrillator. Bei ihnen besteht ein erhöhtes Risiko, dass es zu einem plötzlichen Herztod kommt. Einer von ihnen ist Matthias Kollmar, 38,  der seit 2009 Träger eines Implantats ist. Matthias Kolmar ist seit 2013 Erster Vorsitzender des deutschlandweit aktiven Bundesverbandes Defibrillator Deutschland e.V. Herr Kolmar war im August 2014 bei uns in Meerbusch zu Gast, um mit uns über seine persönlichen Erfahrungen mit der Defibrillator-Therapie und seine Rolle im Bundesverband zu sprechen.

Herr Kollmar, wie kamen Sie in so jungen Jahren zu einem implantierbaren Defibrillator?

Im August 2007 ging es mir gesundheitlich immer schlechter. Als gelernter Kraftwagenfahrer fiel es mir zum Beispiel zunehmend schwer, in meinen LKW zu steigen. Schließlich bin ich sogar während der Arbeit umgekippt. Mein Hausarzt überwies mich schließlich in die Uniklinik Heidelberg.

Was stellte man dort fest?

In der Uniklinik kam heraus, dass mein Herz zu dem Zeitpunkt nur noch 25 Prozent seiner ursprünglichen Pumpleistung erbrachte. Ich wurde medikamentös eingestellt, entlassen und im Juli 2008 beruflich wieder eingegliedert. Im März 2009 kam dann der Rückschlag, auf der Arbeit war mir wieder ganz elend: ich hatte Luftnot, war permanent müde. Nachdem ich morgens aufgestanden war, hatte ich immer das Gefühl, ich wäre eigentlich gar nicht im Bett gewesen. Die Ärzte stellten fest, dass meine Herzleistung weiter zurückgegangen war. Darüber hinaus teilten mir die Ärzte mit, dass ich eine erhöhte Gefahr für Kammerflimmern habe und empfahlen mir die Implantation eines Defibrillators.

Wie erging es Ihnen nach erfolgter Implantation?

Nach 14 Tagen wurde ich wieder aus der Klinik entlassen und als arbeitsunfähig eingestuft. In der Zwischenzeit hatte ich mich bereits mit Hilfe von Patientenbroschüren ein wenig in das Thema Defibrillator eingearbeitet. Mich interessierte nun insbesondere „Was darf ich mit so einem „Defi“ eigentlich überhaupt noch machen?“ und suchte im Internet nach Antworten. Hier stieß ich auf ein interessantes Forum, über das ich unter anderem auch Mitglieder des Bundesverbandes Defibrillator Deutschland kennen lernte.

Mittlerweile leben Sie seit rund fünf Jahren mit Ihrem Defibrillator. Kam dieser bereits zum Einsatz?

Den ersten Schock hat mein „Defi“ bereits vier Wochen nach der Implantation abgegeben. In den Jahren darauf folgten weitere Schocks, die alle wie man so schön sagt „adäquat“, also medizinisch notwendig waren. In den letzten vierzehn Monaten hingegen war alles ruhig. Fakt ist, dass ich ohne meinen „Defi“ heute möglicherweise nicht mehr leben würde. Ohne das Gerät würde ich mich im Alltag nicht mehr sicher fühlen.

Kommen wir nun auf den Bundesverband zu sprechen. Für welche Ziele setzt sich Defibrillator Deutschland ein? 

Im Kern setzen wir uns dafür ein, dass jeder, der einen „Defi“ benötigt, diese lebensrettende Therapie auch erhält. Wir vertreten deutschlandweit die Interessen der Defibrillator-Träger und deren Angehörigen. Bei Fragen und Sorgen können sich diese an uns wenden und  erhalten unabhängig von einer Mitgliedschaft im Bundesverband eine Beratung. Weiterhin unterstützen wir die 54 derzeit in Deutschland existierenden regionalen Defibrillator-Selbsthilfegruppen und bieten ihnen unterschiedliche Vernetzungsmöglichkeiten. Der Bundesverband repräsentiert über die 54 regionalen Selbsthilfegruppen aktuell rund 1.700 Patienten.

Mit welchen Sorgen und Fragen wenden sich die Patienten zumeist an Sie?

Besonders häufig wenden sich Patienten an uns, die unmittelbar vor der Implantation stehen. Diese Patienten haben häufig Sorge, aufgrund des Implantats nicht mehr ihren gewohnten Alltag leben zu können. Ich sage dann immer: „Nicht der „Defi“ schränkt Sie in ihrem Alltag ein, sondern Ihre Grunderkrankung!“ Das ist meines Erachtens ein ganz wichtiger Punkt. Natürlich gibt es aber auch Ausnahmen, zum Beispiel bei LKW-Fahrern, die nach der Defibrillator-Implantation keine Fahrten mehr durchführen dürfen

Herr Kollmar, Sie selbst sind seit 2009 im Bundesverband aktiv. Wie erfolgte Ihr persönlicher Einstieg bei Defibrillator Deutschland?

Über ein medizinisches Internet-Forum lernte ich den damaligen Ersten Vorsitzenden des Verbands, Karl-Heinz Westphal, kennen. Anknüpfend an unseren ersten Austausch im Web kam Herr Westphal dann zu Besuch zu mir in den Süden. Er versorgte mich mit umfangreichen Informationen zum Leben mit dem „Defi“ und begeisterte mich gleichzeitig für die Ziele und Aufgaben des Bundesverbandes. Kurz darauf stieg ich in die Vereinstätigkeit ein und kümmerte mich um die Korrespondenz und den Versand von Informationsmaterial. Die Rolle hat mir von Anfang viel Spaß gemacht! Zusätzlich habe ich dann im Herbst des gleichen Jahres Anstrengungen unternommen, in Heidelberg mit der Unterstützung des Bundesverbands eine regionale  Selbsthilfegruppe zu gründen. Dabei habe ich zusätzlich eine Menge über das Management von Vereinen und Selbsthilfegruppen gelernt.

All diese Erfahrungen haben dann dazu geführt, dass Sie 2013 in den Vorstand von Defibrillator Deutschland gewählt wurden?

Die Herausforderung im Jahr 2013 war, dass sich der alte Vorstand nicht mehr zur Wahl aufstellen ließ. Herr Westphal sprach mich vor diesem Hintergrund an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, mich als Kandidat anzubieten und ein wenig „frischen Wind“ in den Bundesverband zu bringen. Ich hatte Lust und wurde neben Uwe Katzenberger durch die Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt.

Planen Sie größere Veränderungen? Mit welcher Stärke fegt der „Wind“ aktuell durch den Bundesverband?

Es geht ja nicht darum, Dinge die in den letzten Jahren sehr erfolgreich gelaufen sind, nun auf Biegen und Brechen zu ändern. Wir wollen da eher die Veränderung in kleinen Schritten, zum Beispiel im Bereich der Kommunikation. Eine Überarbeitung unserer Homepage, eine Weiterentwicklung unseres Mitgliedermagazins… Eine zentrale Aufgabe wird weiterhin darin bestehen, die Finanzierung unserer Verbandstätigkeit für die Zukunft abzusichern.

Über welche Quellen finanziert sich der Bundesverband aktuell?

Die durch uns erhobenen Mitgliedsbeiträge machen nur einen geringen Anteil unserer Einnahmen aus. Der größte Teil setzt sich aus Firmenspenden, Förderungen durch Krankenkassen-Landesverbände sowie weitere Drittmittel zusammen. Einer unserer Hauptförderer ist seit Jahren die Medtronic Foundation, für deren finanzielle Unterstützung wir äußerst dankbar sind. Ohne diese Zuwendungen wären viele unserer Programme und Maßnahmen gar nicht umsetzbar gewesen.

Eine letzte Frage an Sie: Was machen Sie, wenn Sie nicht als Vorstand aktiv sind, um zu entspannen?

Ich bin leidenschaftlicher Angler – und hin und wieder fange ich sogar etwas! Über meine langjährige Vereinstätigkeit haben sich einige gute Freundschaften entwickelt, die ich in meiner Freizeit pflege. Mit einigen von ihnen werde ich mich demnächst einmal im Bogenschießen versuchen. Zeit verbringe ich vor allem auch gerne mit meiner zwölfjährigen Tochter Lisa, die mittlerweile die siebte Klasse auf dem Gymnasium besucht.

Wir danken Ihnen für das Interview, Herr Kollmar.

Das Interview führte Dr. Holger Storcks.

Kategorie:
Unser Unternehmen