DIE DIAGNOSE UND BEHANDLUNG VON VORHOFFLIMMERN

Die Diagnostik

Bereits durch Ertasten des Pulses oder dem Abhören mittels eines Stethoskops kann ein Arzt erkennen, ob jemand an Vorhofflimmern leidet. Die Bestätigung der ersten Diagnose erfolgt im Anschluss über ein Elektrokardiogramm (EKG).

 Dieses zeichnet den Herzrhythmus auf und lässt eine wohlmöglich vorliegende Störung feststellen. Wie bereits geschildert, tritt das Vorhofflimmern zu Beginn in Episoden auf. In diesen Fällen kann ein Langzeit-EKG notwendig werden, bei dem die Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet wird - mit dem Ziel eine entsprechende Episode zu entdecken. 

Darstellung einer EKG-Linie.

Weitere Diagnostikinstrumente, die je nach Patientengeschichte seltener zum Einsatz kommen sind:

  • Blutuntersuchung
  • Herzecho
  • Röntgen des Thorax
  • Belastungs-EKG

Für jeden Patienten mit Verdacht auf eine chronische Erkrankung ist der Arztbesuch mit Aufregung und vielleicht sogar etwas Sorge verbunden. Wenn Sie sich gerne auf Ihren Arztbesuch vorbereiten wollen, finden Sie hier einige Fragen, die Sie Ihrem Arzt stellen können: 

  • In welchem Stadium befindet sich meine Erkrankung?
  • Kann ich meine Lebensweise so anpassen, dass ich den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen?
  • Wie sieht das Ziel meiner Behandlungs aus?
  • Können Medikamente für eine Verbesserung sorgen?
  • Welche generellen Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Bitte denken Sie daran, dass diese Informationen kein Gespräch mit Ihrem Arzt ersetzen. Jeder Mensch ist anders und braucht eine individuelle Therapie. Wenn Sie glauben, an Herzrhythmusstörungen zu erleiden, wenden Sie sich umgehend an Ihren behandelnden Arzt.1 

Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Therapien, die Vorhofflimmern lindern und langfristig die Lebensqualität verbessern können. Ihr Arzt berät Sie bei der Entscheidung, welche Behandlungsmöglichkeit für Sie in Frage kommt. Das oberste Ziel zur Behandlung von Vorhofflimmern ist die Linderung der Symptome und eine eindeutige Verbesserung der Lebensqualität. Des Weiteren soll das Risiko für Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle oder Gefäßverschlüsse durch die Behandlung minimiert werden. Voraussetzung für die zuvor genannten Behandlungsresultate ist eine Wiederherstellung und Kontrolle der normalen Herzfrequenz, damit der Vorhof ausreichend Zeit hat, sich mit Blut zu befüllen und dieses komplett zu entladen. Blutgerinnseln und schwerwiegenden Folgeerkrankungen wird auf diese Weise vorgebeugt.

Bei der behandlung von Vorhofflimmern haben sie verschiedene möglichkeiten

Die herkömmliche Behandlung basiert auf drei unterschiedlichen Faktoren: Medikamente zur Blutverdünnung, die sogenannte Kardioversion oder eine Katheterablation. Bei letzterem handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff, der später näher erläutert wird. Ferner kann die Implantation eines Herzschrittmachers oder Defibrillators in Kombination mit einer entsprechenden Medikation zielführend für die Behandlung sein. Auch eine Ablation in Form eines chirurgischen Eingriffs beispielsweise während einer offenen Herzoperation ist denkbar und kann in Verbindung mit der Behandlung von Herzklappenerkrankungen durchgeführt werden. 

Häufig wird bei betroffenen Patienten, die sich keiner chirurgischen Herz-OP unterziehen, zunächst die medikamentöse Behandlung mittels Antiarrhythmika und Blutverdünnern versucht, gefolgt von einer Kardioversion. Bei einer Kardioversion wird unter kurzer Narkose ein elektrischer Schock an das Herz abgegeben. Vor der Behandlung muss der Arzt jedoch mittels einer sogenannten Echokardiographie sicherstellen, dass sich noch kein Blutgerinnsel im Vorhof gebildet hat. 

Medikamentöse Behandlung bei Vorhofflimmern (Illustration).

Trotz dieser Maßnahmen kann das Vorhofflimmern nach einiger Zeit erneut auftreten. Wenn Medikamente und Kardioversion auf Dauer keinen Erfolg bringen, kann eine sogenannte Katheterablation als weitere Behandlungsoption sinnvoll sein. 

WAS VERSTEHT MAN UNTER EINER KATHETERABLATION?

Die Katheterablation ist eine minimalinvasive Prozedur, die im elektrophysiologischen Labor eines Krankenhauses von einem spezialisierten Team durchgeführt wird.

Bei der Katheterablation zur Behandlung von Vorhofflimmern wird die Ausbreitung von elektrischen Signalen von den Pulmonalvenen (Lungenvenen) zum Vorhof unterbrochen. Die Pulmonalvenen sind große Blutgefäße, die Blut aus der Lunge zum linken Vorhof transportieren. Unsere Lungenvenen sind die Hauptquelle für elektrische Signale, die Vorhofflimmern auslösen.

Diese standardmäßige Ablationsstrategie zur Unterbrechung dieser Signalweiterleitung wird als „Pulmonalvenenisolation“ (PVI) bezeichnet. Während der Prozedur werden die anomalen elektrischen Bahnen durch Ablation (Verödung) mit einem Herzkatheter unterbrochen, damit sie kein Vorhofflimmern mehr auslösen.

Es gibt im Wesentlichen zwei Methoden zur Pulmonalvenenisolation: Kryoablation (Kryo) und Radiofrequenzablation (RF). Der wichtigste Unterschied zwischen diesen Methoden ist die bei der Prozedur verwendete Energiequelle. Bei RF-Ablation wird dem Gewebe Wärmeenergie zugeführt (Erhitzung) und bei Kryoablation wird dem Gewebe Wärmeenergie entzogen (Abkühlung). Beide Ablationsmethoden führen zur Bildung von Narbengewebe um die Pulmonalvenen herum.

Die Erfolgsquote der Therapie mit dem Kryoballon der Arctic Front Produktfamilie beträgt nach einer Behandlung und einem Jahr 60 bis 80 Prozent. Wird die Prozedur wiederholt, kann eine Erfolgsquote von 90% erreicht werden.2

BEHANDLUNG VON VORHOFFLIMMERN MIT DEM KRYOBALLON

Bei der Entstehung von Vorhofflimmern spielen die Lungenvenen (Pulmonalvenen), die in den linken Vorhof münden, eine entscheidende Rolle. Im Fall von Vorhofflimmern werden bei einer Ablation daher in den meisten Fällen die Lungenvenen isoliert. Dann ist keine elektrische Leitung zwischen den Pulmonalvenen und dem Vorhof mehr möglich. Dieses Vorgehen nennt man Pulmonalvenenisolation (PVI). 

Arctic Front Advance Katheter zur Pulmonalvenenisolation bei Vorhofflimmern.

Eine etablierte Standardbehandlung bei Vorhofflimmern ist die Ablation mit dem Kryo-ballon (Arctic Front Advance™).3 Dieser wurde speziell für die Isolation der Pulmonalve-nen entwickelt. Dabei wird Kühlmittel in den Ballon abgegeben, das die Herzmuskelzellen einfriert und unerwünschte elektrische Leitungen auf diese Weise unterbindet. Dank der anatomischen Form des Kryoballons können die Ärzte die Lungenvenen schnell und einfach erreichen und behandeln. Das besondere Design sorgt für die Bildung einer durchgehenden, ringförmig um die Pulmonalvene verlaufenden Narbe, die die Reizlei-tungen und unregelmäßigen elektrischen Impulse an dieser Stelle unterbricht (Stand April 2019).

Eine etablierte Standardbehandlung bei Vorhofflimmern ist die Ablation mit dem Kryo-ballon (Arctic Front Advance™).3 Dieser wurde speziell für die Isolation der Pulmonalve-nen entwickelt. Dabei wird Kühlmittel in den Ballon abgegeben, das die Herzmuskelzellen einfriert und unerwünschte elektrische Leitungen auf diese Weise unterbindet. Dank der anatomischen Form des Kryoballons können die Ärzte die Lungenvenen schnell und einfach erreichen und behandeln. Das besondere Design sorgt für die Bildung einer durchgehenden, ringförmig um die Pulmonalvene verlaufenden Narbe, die die Reizlei-tungen und unregelmäßigen elektrischen Impulse an dieser Stelle unterbricht (Stand April 2019).

Der Eingriff

Für die Ablation werden Sie entweder am gleichen Tag oder einen Tag vor dem Eingriff stationär im Krankenhaus aufgenommen. Vor dem eigentlichen Eingriff werden in der Regel noch einige Voruntersuchungen durchgeführt. Dazu zählen: ein EKG, eine Röntgenuntersuchung oder eine Blutabnahme. Ihr behandelnder Arzt schaut sich noch einmal Ihre Krankengeschichte (Anamnese) an und wird Sie bitten, eine Einverständniserklärung zu unterzeichnen. Zu Beginn des Eingriffs wird an der Zugangsstelle für den Ablationskatheter Ihre Haut rasiert. In der Regel liegt die Zugangsstelle im Bereich der Leiste, jedoch kann der Katheter auch die Arm- oder Halsvenen eingeführt werden. Ihr Herz wird während des gesamten Eingriffs über ein EKG überwacht. Ein intravenöser Zugang wird zudem dafür genutzt, Medikamente verabreichen zu können. In den meisten Fällen findet keine Vollnarkose statt, sondern die Ablation wird mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt.

Katheterablation mit dem Kryoballon.

Es besteht die Möglichkeit, dass Sie ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel verabreicht bekommen. Nachdem die örtliche Betäubung erfolgt ist, führt der Arzt den Ablation- und den Diagnostikkatheter (beides sehr dünne lange Schläuche). Diese werden schließlich im Herzen platziert und die Kryoablation kann beginnen. Die Dauer des Eingriffs unterscheidet sich je nach Patient und vorliegender Stärke der Herzrhythmusstörung. Ablationen bei Vorhofflimmern können mehrere Stunden dauern.

Das Leben nach der Behandlung

Nach dem Eingriff werden die Katheter entfernt und die Punktionsstellen mit Hilfe eines Druckverbands geschlossen. Ihr Herzrhythmus wird noch einmal abschließend kontrolliert durch ein EKG, die Messung des Blutdrucks oder eine Ultraschalluntersuchung.  Es kann sein, dass Sie einige Zeit auf einer Überwachungsstation liegen, bevor Sie auf die normale Station zurückkehren. Wie lange Bettruhe für Sie vonnöten ist, entscheidet Ihr behandelnder Arzt für Ihren individuellen Fall. Auch bei der Einnahme von Medikamenten wird Ihr Arzt Sie umfangreich über Art und Menge aufklären. 

Zurück zum schönsten Herzklopfen- Das Leben nach der Katheterablation.

Im Anschluss an eine erfolgreiche Ablation sollten nach dem Eingriff keine Beschwerden mehr auftreten, die in direktem Zusammenhang mit Ihrer Herzrhythmusstörung stehen. Wenn Ihre Symptome maßgeblich in Ihrem täglichen Leben präsent waren und Sie bis dato in Ihren Aktivitäten eingeschränkt haben, können Sie diesen nach der Ablation in der Regel wieder wie gewohnt und ohne Einschränkungen nachgehen. Über Ihre individuellen Erfolgsaussichten nach der Ablation kann Sie Arzt im Vorhinein aufklären. Generell gibt es keine hundertprozentige Garantie, dass Sie keine Herzrhythmusstörungen nach der Ablation mehr entwickeln. Ihr Arzt kann Ihnen eine Rückmeldung geben, ob der Eingriff ggf. wiederholt werden muss. 

Zunächst kann Ihr Vorhofflimmern nach dem Eingriff noch einmal auftreten, dies ist auf den Heilungsprozess nach der Ablation zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund werden die ersten drei Monate nach erfolgter Ablation nicht herangezogen, um über Erfolg oder Misserfolg des Eingriffs zu messen. Wichtig für die weitere Behandlung sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen. In der Regel erfolgen diese im ersten Jahr nach dem Eingriff alle drei Monate, danach mindestens zweimal jährlich für zwei Jahre. Mit einem implantierbaren Herzmonitor kann das Ergebnis der Behandlung sogar bis zu drei Jahre nachverfolgt werden. 

Hinweis

Ausführliche Informationen über die Prozedur, Indikationen, Kontraindikationen, Warnhinweise, Vorsichtsmaßnahmen und potenzielle unerwünschte Ereignisse erhalten Sie von Ihrem Arzt. Diese Broschüre enthält Informationen über die Behandlung. Sie ist ausschließlich zur Information bestimmt, enthält keinen ärztlichen Rat und ist nicht als Alternative zur Beratung durch Ihren Arzt gedacht. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um Fragen speziell zu Ihrer Gesundheit und den für Sie geeigneten Behandlungsoptionen zu stellen.

Referenzen

1

In Anlehnung an die Darstellungen von: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V., Deutsche Herzstiftung, Apothekenumschau

2

Di Giovanni, et al. J Cardiovasc Electrophysiol. 2014; 25(8):834-9; Fürnkranz, et al. Journal of Cardiovascular Electrophysiology. 2014 ;25(8):840-4; Aryana, et al. J Interv Card Electrophysiol. 2014;41(2):177-186; Aytemir, et al. Europace. 2015;17(3):379-87; Greiss, et al. PACE. 2015 Jul;38(7):815-24; Metzner, et al. Circ Arrhythm Electrophysiol. 2014; 7(2):288-292; Chierchia, et al. Europace. 2014; Chierchia, et al. J Cardiovasc Electrophysiol. 2015; In Press; 16(5):639-644; Kumar et al. J Interv Card Electrophysiol. 2014;41(1):91-7; Jourda, et al. Europace. 2015;17(2):225-31; Ciconte, et al. Heart Rhythm. 2015;12(4):673-80; Tebbenjohanns, et al. Europace. 2015; Wissner, et al. Europace. 2015 Aug;17(8):1236-40

3

Kirchhof P., et al. 2016 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS Eur Heart J. 2016 Aug 27. pii: ehw210 2Verma A., et al. Approaches to catheter ablation for persistent atrial fibrillation. N Engl J Med 2015;372:1812–1822.  3Calkins H., et al. 2017 HRS/EHRA/ECAS/APHRS/SOLAECE Expert Consensus Statement on Catheter and Surgical Ablation of Atrial Fibrillation. Heart Rhythm. 2017 Oct;14(10):e275-e444 4 Kuck KH., et al Cryoballoon or Radiofrequency Ablation for Paroxysmal Atrial Fibrillation. N Engl J Med 2016;374:2235–2245.