Value-Based Healthcare In Deutschland

Das deutsche Gesundheitssystem

Das deutsche Gesundheitssystem

Um zu verstehen, weshalb es so komplex ist, das deutsche Gesundheitssystem zu reformieren, hilft es, sich dessen Geschichte anzusehen. Vieles ist historisch gewachsen, datiert zum Teil über 100 Jahre zurück. Seit dieser Zeit sind Strukturen gewachsen und auch gewohnheitsmäßige Ansprüche in der Bevölkerung verfestigt. Trotzdem ist durch den demographischen Wandel eine Reform unumgänglich, um die steigenden Kosten zu bewältigen.

Geschichte des deutschen Gesundheitssystems

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der ältesten der Welt: Im Mittelalter gab es bereits gesundheitliche Absicherung durch die gemeinsamen Kassen der Handwerkszünfte, danach Absicherung durch Fabrikarbeitergewerkschaften und 1883 wurde unter Bismarck schließlich die erste Krankenversicherung eingeführt1. Alle Versicherten erhielten einen Rechtsanspruch auf kostenlose ärztliche Behandlung und Arzneimittel sowie Kranken- und Sterbegeld. Damals waren allerdings nur 10 Prozent der Bevölkerung krankenversichert, heute sind es etwa 97 Prozent2. Wenig später folgten Arbeitslosen-, Renten-, Unfall- und als letztes die Pflegeversicherung. Kaum ein anderes Land kann daher auf eine so lange Tradition von Sozialversicherungen zurückblicken.

Grundprinzipien

Das deutsche Gesundheitssystem ist dezentral aufgebaut, selbstverwaltet, mit vielen verschiedenen Akteuren. Zu den Hauptakteuren zählen u.a. die Verbände und Interessenvertretungen der unterschiedlichen Berufsgruppen, Krankenversicherungen, qualitätssichernde Einrichtungen, das Gesundheitsministerium und Patientenorganisationen. So gibt es etwa in jedem Bundesland eine Landesärztekammer, die eigenständig für alle beruflichen Belange von Ärzten, z.B. deren Zulassung und Weiterbildung, zuständig ist.

Das Gesundheitssystem in Deutschland basiert auf vier Grundprinzipien:

  • Versicherungspflicht: Alle Bürger sind grundsätzlich verpflichtet, sich in einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) zu versichern. Wer über einen Sockelbetrag hinaus verdient, kann sich in einer privaten Krankenversicherung (PKV) versichern. Das machen zurzeit 11 Prozent der Bürger3
  • Beitragsfinanzierung: Die Gesundheitsversorgung wird überwiegend durch Beiträge aller Krankenversicherten sowie der Arbeitgeber finanziert. Zuschüsse aus Steuereinnahmen kommen hinzu. Zum Vergleich: Staatliche Gesundheitssysteme wie etwa in Großbritannien oder Schweden wirtschaften mit Steuermitteln. In marktwirtschaftlich orientierten Systemen wie den USA müssen Bürger grundsätzlich selbst für Behandlungskosten und Verdienstausfall aufkommen oder sich privat versichern.
  • Solidaritätsprinzip: Alle gesetzlich Versicherten in Deutschland tragen gemeinsam das Risiko eines Verdienstausfalls und der Kosten einer medizinischen Versorgung im Krankheitsfall. Jeder gesetzlich Versicherte hat den gleichen Versorgungsanspruch. Auf diese Weise stehen alle Bürger gegenseitig füreinander ein.
  • Selbstverwaltungsprinzip: Der Staat beschließt die wesentlichen Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung. Die konkrete Ausgestaltung, Organisation und Finanzierung der einzelnen medizinischen Leistungen ist aber die Aufgabe der Einrichtungen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Sie wird von den Vertretern der Ärzte und Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Krankenkassen und Versicherten gemeinsam und eigenverantwortlich wahrgenommen. Das oberste Gremium der Selbstverwaltung auf Bundesebene im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung ist der Gemeinsame Bundesausschuss, G-BA.4

Quellen und Literatur

3

The Economist, EIU, „Value-based Healthcare in Germany,“ report 2015