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Privater Rückzugsort für obdachlose Menschen

Der Verein Little Home e.V. baut mit Freiwilligen Wohnboxen für obdachlose Menschen. Es soll ein Zuhause sein und ein erster Schritt zurück in ein geregeltes Leben.

Ohne Obdach ist der Weg in ein geregeltes Leben schwierig. Der Verein Little Home e.V. hilft Menschen dabei: mit Wohnboxen und viel persönlichem Engagement. Drei dieser privaten Unterkünfte sind mit Unterstützung der ehrenamtlichen Medtronic-Kolleginnen und -Kollegen entstanden. Wie es dazu kam und warum es weitere Boxen geben wird, erzählt dieser Artikel.

Es gibt viele Gründe für Obdachlosigkeit

Letzter Standort München | Little Home

Zwei „Little Homes“, die obdachlosen Menschen einen privaten Rückzugsort bieten.

Rund 45.000 Menschen lebten in Deutschland im Laufe des Jahres 2020 nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) ohne jede Unterkunft auf der Straße. Die Gründe, warum ein Mensch in die Obdachlosigkeit abrutscht, sind vielfältig: Schulden, Arbeitslosigkeit, Kündigung der Mietwohnung, familiäre Probleme oder Krankheit zählen ebenso dazu wie das fehlende Angebot von bezahlbarem Wohnraum, der Rückgang des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut.
Susanne Weinert, Account Managerin für den Medtronic-Geschäftsbereich Patient Monitoring lebt in Berlin. Im ersten Pandemie-Lockdown dachte sie bei sich: Wenn jetzt alle zu Hause sind, wo gehen dann wohnungslose Menschen hin? Auf ihrer Fahrradstrecke fielen ihr große Boxen auf, die obdachlosen Menschen offenbar als Unterkunft dienten. „Ich habe recherchiert, bin auf den Verein „Little Home“ gestoßen und habe meinen Kolleginnen und Kollegen sofort davon erzählt“, berichtet Susanne.
 

Die Wohnbox als erster Schritt zurück ins Leben

Der Verein Little Home e.V. baut gemeinsam mit Freiwilligen mobile und isolierte Wohnboxen aus Holz, die an obdachlose Menschen verschenkt werden. Die Boxen sind jeweils 3,2m3 groß und sind mit einer Matratze, einem Erste-Hilfe-Set, einem Feuerlöscher, einem Regal und einer Campingtoilette ausgestattet. Um die Genehmigung der Standplätze kümmert sich der Verein. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden verpflichtet, die Plätze sauber zu halten. Es dürfen nur geringe Mengen Alkohol konsumiert werden, Drogen sind tabu.
 

Letzter Standort München | Little Home

Neben der Standardausstattung hat das Medtronic-Team für Bettwäsche und für Brot und Salz zum Einzug gesorgt.

Sven gibt Anweisungen in München | Little Home

Sven Lüdecke dirigiert den Aufbau der Wohnbox.

Die Idee für die Wohnboxen entwickelte Sven Lüdecke, Gründer des Vereins Little Home e.V., im Jahr 2016 nach einem Erlebnis am Kölner Hauptbahnhof. Dort war ihm eine obdachlose Frau aufgefallen, die offenbar Hausverbot hatte und vergeblich einen Schlafplatz suchte. Sven gab ihr einen Kaffee aus und kaufte ihr eine Fahrkarte, womit er einen Bundespolizeieinsatz auslöste. Der gelernter Restaurantfachmann und Barkeeper forschte nach und stellte fest: Es gab keine vergleichbaren Angebote, lediglich Notschlafstellen, die von vielen Betroffenen gemieden werden. Im November 2016 baute Sven die erste Wohnbox, im August 2017 erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister. Der Verein zählt heute 80 Mitglieder und hat bundesweit in 24 Städten bereits 211 Wohnboxen an obdachlose Menschen verschenkt.
 

Wohnraum gehört zur Gesunderhaltung

Drei davon wurden mit der Unterstützung von Medtronic-Kolleginnen und -Kollegen in Meerbusch, München und Frankfurt gebaut, weitere sind schon geplant. „Susanne brannte für die Idee, dass wir im Rahmen von Mission in Motion mit dem Verein zusammenzuarbeiten“, erinnert sich Manuela Gruber, Marketing Specialist für den Medtronic-Geschäftsbereich Patient Monitoring and Respiratory Interventions (PMRI). „Ich hatte vorher noch nie ein „Little Home“ gesehen. Aber ich wusste sofort, dass ich dabei sein will.“
 

So ging es auch Christiane Ayara, Marketing Managerin des Geschäftsbereichs PMRI: „Normalerweise beschweren wir uns, dass wir zu wenig Marketingbudget bekommen“, lächelt sie. „Und gleichzeitig geben wir so viel Geld für banale Dinge aus. Da dachte ich: Von dem Budget, das wir haben, sollten auch Leute teilhaben können, denen es nicht so gut geht wie uns.“ Christiane stellte das Budget zur Verfügung, um mit dem Medtronic-Team drei der Wohnboxen bauen zu können.
 

Foto Manu Gruber | Little Home

Manuela Gruber hat die Medtronic-Zusammenarbeit mit dem Verein Little Home mitorganisiert.

Die Arbeit beginnt in Frankfurt | Little Home

In Frankfurt beginnt das Medtronic-Team mit dem Aufbau der Wohnbox.

X-und Y und Z in Frankfurt

Ahmed Awadallah, Leilani-Anika Rohde und Ingrid Hohlfeld kümmern sich um ein Seitenteil.

Für den Bau einer Box braucht es neben den Materialkosten ein 16- bis 18-köpfiges Team, das einen Tag lang zusammen mit der wohnungslosen Person den zukünftigen Rückzugsort aufbaut und gestaltet. „Man unterschätzt das. Zu Beginn dachte ich: Warum braucht es so viele Leute? Was kann da so lange dauern? Aber es hat gut gepasst. Zwischendurch gab es immer mal wieder Leerlauf zum Austauschen und Quatschen“, berichtet Manuela. „Es ist eine Kleinigkeit, mit der wir gemeinsam etwas für einen Menschen erreichen können. Gleichzeitig macht das ehrenamtliches Engagement Spaß, man lernt Kolleginnen und Kollegen kennen und geht mit einem guten Gefühl nach Hause. Und die Perspektive verändert sich: Man denkt anders über Dinge nach.“

Aufbau München | Little Home

Das Medtronic-Team in München kommt gut voran.

X in München | Little Home

Martin Kayser von Little Home e.V. genießt schon den Ausblick aus dem Fenster.

Hund darf nicht aufbauen in München | Little Home

Robby würde auch gerne Stöckchen für die Wohnbox bringen, muss sich aber mit Zuschauen begnügen.

Susanne ergänzt: „Bei Medtronic beschäftigen wir uns jeden Tag mit der Gesundheit von Menschen. Wir sprechen in den Kliniken mit Ärztinnen und Patienten. Da gibt es aber noch Leute rechts und links am Rand, die wir sehen müssen. Wir sind eine Gesellschaft, und Wohnraum gehört zur Gesunderhaltung. Ich empfinde das als Verpflichtung.“

Eine sehr persönliche Begleitung

Das Leben auf der Straße ist hart und verändert Menschen. Fallen soziale Sicherheit und medizinische Versorgung weg, fehlt die Grundlage für ein geregeltes Leben. Die Betroffenen sind der Witterung ausgesetzt, ernähren sich schlecht und werden krank. Unzureichende Hygiene und verschmutzte Kleidung führen zu Verwahrlosung und zum Ausschluss aus der Gesellschaft.
Damit die Wohnbox der erste Schritt zurück in ein geregeltes Leben sein kann, stellt der Verein Bedingungen für den Bezug. „Für uns ist es wichtig, dass die Motivation da ist, das Leben in die Hand zu nehmen. Dann sehen wir auch über Alkohol- oder Drogenprobleme hinweg. Wenn wir aber merken, dass die Person das eigene Leben nicht verändern möchte, wird es schwierig“, erklärt Sven. So braucht es einen gültigen Personalausweis, damit der Verein den Antrag auf Standgenehmigung für die Box stellen kann. „Das ist schon die erste Hürde. Die Kosten für ein Passbild und den Personalausweis sowie die Vereinbarung und Einhaltung von Behördenterminen. Da packen wir am meisten mit an“, schildert Sven.
 

Gruppenbild München | Little Home
Geschafft in Frankfurt | Medtronic

Geschafft! Zwei stolze Medtronic-Teams stehen in München (links) und Frankfurt (rechts) vor ihren fertig gebauten Wohnboxen.

Sven sagt „wir“, aber oft ist er es selbst, der anpackt. Der Verein hat nur sehr wenige aktive Mitglieder, und Sven ist der unermüdliche Motor des Vereins. Mit viel Geduld, Empathie und Engagement begleitet er viele der Bewohnerinnen und Bewohner persönlich auf ihrem Weg. „Die Leute kommen und schütten mir ihr Herz aus und schildern mir ihre Probleme. Das ist wichtig, damit sie die nächsten Schritte gehen zu können“, erklärt Sven. Denn das Ziel des Vereins ist es, die Menschen zurück in ein geregeltes Leben zu bringen. „Dieser Weg ist für die meisten beschwerlich und mit vielen inneren und äußeren Widerständen verbunden. Ich helfe dabei, Steine aus dem Weg zu räumen, aber ich mache auch ehrliche Ansagen.“ Mit diesem sehr persönlichen Einsatz hat der Verein inzwischen 145 Menschen dabei geholfen, aus den Little Homes auszuziehen, 98 Menschen haben wieder einen Job. Mit vielen hält Sven den Kontakt: „Einer der ehemaligen Bewohner ist von Berlin nach Österreich gezogen und hat dort eine feste Arbeit. Er meldet sich regelmäßig und bedankt sich für unsere Hilfe.“
 

Standort München | Little Home

Die vom Medtronic-Team gebaute Wohnbox 206 findet mit Svens Hilfe ihren endgültigen Standort in München.

Mehr Informationen zum Verein Little Home e.V. gibt es hier: https://www.little-home.eu/

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